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  • Bambus

    Wie begegnet man eigentlich der digitalen Raserei, der Vergänglichkeit von Genres und Musik im Internet generell? Der Rapper Bambus hat seinen Weg gefunden, unter diesen Bedingungen nicht einzugehen, stattdessen mit dem ständigen „Wechsel“ umzugehen. Unzählige Onlinereleases von ihm erschienen seit 2013 und wurden dankbar angenommen. Denn wie kein anderer Rapper in Deutschland schafft Bambus es den vertrackten LoFi-Battlerap aus modrigenKellerkammern mit den mystischen Soundscapes zu kombinieren. 

    Bambus ist 21. Seine musikalischen Wurzeln liegen in diesen beiden Welten, seine geographischen in einem Dorf in Nordrhein-Westfalen. Dort geht man in der Jugend vielleicht mal kicken und stellt sich danach im Park fünf Pils rein. Aber Musik machen, kreativ werden – dafür bleibt wenig Raum. Es fehlt vielleicht auch an Verständnis für alternative Lebensentwürfe. Bambus ist das egal. Er ist Rapper. Er ist Musiker. Und er denkt über alternative Lebensentwürfe nach, weil es 2017 ist und immer noch so viel Scheiße in Politik und Gesellschaft passiert, die es anzuprangern gilt. Natürlich könnte man sich in seinem Mikrokosmos verkriechen oder aber man thematisiert das Leid. Eine Internetfangemeinde dankte Bambus das bisher mit tausenden Soundcloud-Klicks. Gleichgesinnte fand er, wie er sagt, wiederum hauptsächlich online. Spuren und Files flogen hin und her, das motivierte. Jetzt wird mit „Wechsel“ (Weltgast/Indigo) das erste Mal der digitale Fußabdruck auf Vinyl konserviert. Das ist auch eine Form der Entschleunigung und der nächste Schritt.

    Bambus hat seinen Weg gefunden mit der digitalen Raserei umzugehen, denn er hat sie sich zu Nutze gemacht. Für seine Texte voller Gesellschaftsbeobachtungen, Utopien, Dystopien und Introspektion hat er sich durch unzählige Reddit-Threads und natürlich auch durch sein Inneres gegraben. 

    Seine Musik ist eher Silk Road, als Straße: eine vertonte Reise über Datenautobahnen, die alles durchleuchten will. Außerdem lässt sich Bambus von der Schnelligkeit gar nicht erst aus der Ruhe bringen. Er kontert ihr mit apathisch geflowtem Laid-Back-Rap, der anspruchsvoll klingt, aber keine Dreifachreime braucht, um zu punkten.

    Dortmund wurde schließlich zum Ort für den „Wechsel“. Denn lange Zeit war Bambus ein typischer Bedroom-Musiker. Seine Tracks entstanden in seinem Zimmer, einer hermetisch abgeriegelten, vernebelten Oase. Nur das bläuliche Licht des Bildschirms war zu sehen, Synthpads klangen an und Wortfetzen hallten durch den Raum. Manchmal war das auch einsam, irgendwie melancholisch. Doch in Dortmund, da war eben auch seine Freudhaus-Gang, also die Brüder im Geiste: Konz, Naru und der Produzent Vanta.

    Dort ist schließlich ein Sound entstanden, der sich keinem Trap-Zeitgeist anbiedern will. Stattdessen wuseln die HiHats als treibendes Element zwischen schleichenden Synhtmelodien herum. „Wechsel“ klingt voll, ohne überladen zu sein. So, wie die Rapversion einer Ambiernplatte. „Das Faulenzen zuhause ist vorbei“, sagt Bambus außerdem. Er hat sich aus seiner kleinen Komfortzone herausgewagt, um Neues zu entdecken. Klar, der Jointnebel geistert immer noch durch die Tracks. Gleichzeitig dominieren aber reale Erfahrungen abseits der digitalen Blase und abseits des dörflichen Stillstands.

    Vielleicht auch deswegen hat es Bambus während der Entstehung der EP nach Irland verschlagen. Ein Tapetenwechsel, der nötig war, um der eigenen Rastlosigkeit und dem aufkommenden Fernweh entgegenzuwirken. „Wechsel“ ist jetzt ein Dokument der inneren Zerrissenheit, das filmisch Geschichten erzählt. Nicht so, wie die Blockbuster-Protzerei, sondern mit einem obskurem Art-House-Flair. Irgendwann kommen bei all dem „Wechsel“ zwischen Wohlklang und Apokalypse-Sound dann doch noch die Battlerap-Roots zum Vorschein. Denn natürlich bleibt Bambus ein guter Rapper, musikalisch vielleicht sogar einer der innovativsten zur Zeit. Denn Fakt ist: So wie er klingt gerade keiner.

    Die EP „Wechsel" erscheint am 06.10.2017 digital und als Vinyl über WELTGAST music.https://weltgast.lnk.to/Bambus...

    P.S.: Um den konzeptionellen Gedanken hinter seinem Projekt auf das nächste Level zu heben, folgt im Frühling die 2te EP „Wirkung“. Im Sommer 2018 wiederum soll diese Wechselwirkung in zwei Akten ihren finalen Höhepunkt in einem ersten Album im finden. 

    Bambus + Crew live / Wechsel EP / Release Party @Oma Doris

    Bambus — Dortmund — 6 October 2017 / 11:00:00

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