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  • Bambus

    Kunst ist immer ein Prozess, aber jede Biographie braucht einen Aufhänger. Bittesehr: Bambus ist 21, macht seit vier Jahren Musik und hat in dieser Zeit zehn digitale Releases abgerissen. Daraus zu schließen, dass er seinen Film fließbandmäßig runterdreht, könnte aber kaum größerer Unfug sein. Begonnen im Neo-Boombap, läuft er an der LoFi-Ästhetik entlang in Richtung Cloud Rap. Allerdings nur stilistisch: Düstere Ästhetik und Feeling werden bei Bambus immer von sonnigen Akzenten gebrochen. Was deutschem Rap fehlt, sind vor allem Atmosphäre, Emotionen, intuitives Handeln. Dagegen anzugehen, wird schnell seine Grundausrichtung.

    In der Musikgegenwart angekommen, geht es dann gleich in Richtung Zukunft. Die Entscheidung zwischen klassischem und futuristischem Rap landet in der Tonne, in die sie gehört. Verschiedene Releases, verschiedene Styles, verschiedene Produzenten und Internet- Crews. Thematisch geht Bambus schon hier über den normalen Deutschrap-Kosmos hinaus: Klar wird representet, über Gefühle gesprochen und gebattlet. Es rücken aber auch Kapitalismuskritik und Zweifel an herrschenden Zuständen in den Fokus, ohne sich dabei in peinlichen Polit-Rap-Morast oder Verschwörungssümpfe zu verirren. Sein Sound geht ähnliche Wege: Der eigene Tonfall, die eigene Farbpalette zeichnet sich ab, ist aber auch für Bambus selbst nur schwer greifbar: LoFi-Cloud oder Ambient Rap, gleichzeitig aber sehr direkte, impulsive Töne, die eigentlich für so einen Namen zu stark wiegen. Bambus’ Schaffen wirkt auch immer ein wenig rastlos. 

    Das ändert sich 2016. Mit Naru, Konz und Vanta gründet Bambus die Dortmunder Freudshausgang. Zum ersten Mal entstehen Songs in einem echten musikalischen Umfeld, das auch ein Freundeskreis ist. Es geht endlich gemeinsam impulsiv nach vorne, der Sound findet zu sich selbst: Bekommt im positiven Sinne mehr Pop-Appeal, klingt vor allem luftiger und entspannter. Vielleicht nicht das schlechteste, jetzt, wo der Sommer kommt. Die zweiteilige EP Wechsel/Wirkung von Bambus, produziert von Vanta, erscheint 2017 über Weltgast music.